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Herbstgrabung 2008 (Foto A. Mehner)

Herbstgrabung 2008

Bei der Erforschung des Burgwalls von Lossow handelt es sich um ein interdisziplinär angelegtes Forschungsprojekt, in dem der außerordentlichen Bedeutung des Fundplatzes intensiv nachgegangen werden soll.

Es ist davon auszugehen, dass der Burgwall bereits als befestigte Siedlung in der späten Bronzezeit Zentralortcharakter besaß, der mit dem Funktionswechsel zum Kultplatz in der frühen Eisenzeit neue Dimensionen und Inhalte erhielt. Dabei wird der Fokus auf die zentralörtliche Charakterisierung des Fundplatzes und auf die funktionale Gewichtung in seinen einzelnen Nutzungsphasen gelegt. Es soll herausgearbeitet werden, durch welche qualitativen Eigenschaften und Funktionen er sich von seinem Umland hervorhob und auf welcher Grundlage ihm deshalb der Rang eines Zentralortes zukam.

Im Weiteren ist die Frage nach konkreten natur- und umweltbedingten Standortfaktoren zu beantworten, die die Platzwahl für einen Zentralort hier besonders attraktiv machten. Durch interdisziplinäre Untersuchungen wird der Frage nachzugehen sein, wie die naturräumlichen Gegebenheiten wahrgenommen und bewusst genutzt wurden. Weiterführend ist von Interesse, ob sich vergleichbare Zentren nach bestimmten Mustern in der Landschaft organisierten. Modellhaft können für den Fundort Lossow somit Raumnutzungskonzepte herausgearbeitet werden. Ebenso ist zu fragen, mit welcher überregionalen Bedeutung des Fundplatzes zu rechnen ist, welchen Einfluss- und Aktionsbereich er über die unmittelbare Siedlungskammer hinaus hatte und in welchem wechselseitigen Zusammenhang vergleichbare Anlagen zueinander standen. Letztendlich gilt es, seiner überregionalen Ausstrahlung und kulturlandschaftlichen Einbindung im Vergleich mit zeitgleichen Anlagen nachzugehen und die herausragende Bedeutung und Besonderheit des Fundplatzes herauszustellen.

Für diese Fragestellungen bietet die Befundlage in Lossow optimales Forschungspotenzial, da nicht nur der Burgwall sondern auch zeitgleiche offene Siedlungen sowie Gräberfelder im näheren Umfeld der Burgwallanlage bekannt sind und in die komplexen Untersuchungen einfließen können.

Projektumsetzung

Das interdisziplinär angelegte Forschungsprojekt vereint Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen von universitären und außeruniversitären Institutionen und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam werden Problem- und Fragestellungen erarbeitet und in kooperativer Umsetzung realisiert.

Erstmalig werden das Burgwallgelände und sein naturräumliches Umfeld mit Hilfe einer großflächigen geophysikalischen Erkundung umfassend prospektiert. In enger Zusammenarbeit mit der geophysikalischen Prospektionsfirma eastern atlas  (Berlin) und innerhalb des Exzellenzclusters TOPOI wurde dazu ein umfangreiches Prospektionsprogramm erarbeitet und erfolgreich mit der Umsetzung begonnen. Dieses Programm umfasst geomagnetische, Georadar- und geoelektrische Messungen im Vorhabengebiet.

Ergänzt werden diese Prospektionen durch archäologische Flurbegehungen mit besonderem Augenmerk auf den Bereich der Vorburgsiedlung und dem weiteren Umfeld des Burgwalls. Nach bisherigen Erkenntnissen sind großflächige spätbronze-/früheisenzeitliche Siedlungen und Gräberfelder zu erwarten, die im engen Kontext mit dem Burgwall und seinem Funktions- und Einflussbereich gestanden haben müssen. Die dokumentierten Lesefunde (zumeist Keramikscherben und Silexartefakte) werden in Einzelfundeinmessung in einer Datenbank erfasst und kartiert, um über die Fundstreuung die räumliche Ausdehnung der relevanten Flächen eingrenzen zu können.

Zusätzlich wurden großflächige Phosphatkartierungen bzw. Bohrkernuntersuchungen im Vorhabengebiet vorgenommen.

Im Jahre 2008 wurde eine erste Ausgrabungskampagne im Rahmen einer zehnwöchigen Lehrgrabung mit Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität durchgeführt. Die Untersuchungen konzentrierten sich in dieser Kampagne auf den Burgwallinnenbereich. Erstmalig geben die dokumentierten Be-/Funde Auskunft über die erste Nutzungsphase des Burgwalls als befestigte Siedlung. So wurden neben jung-/spätbronzezeitlichen Strukturen wie Pfostengruben, Speichergruben und einem Scherbenpflaster ebenso Nachweise von
  • Ackerbau/Viehzucht, Jagd und Fischfang,
  • handwerklicher und gewerblicher Produktion,
  • Fernkontakten und Importen sowie
  • kultischen Handlungen

erbracht.

AMS-Datierungen, Keramikanalysen, archäozoologische und archäobotanische Untersuchungen am konkreten Material ergänzen die ersten Auswertungen.

Im März 2009 wurde zudem eine erste vierwöchige Probegrabung westlich des Burgwalls vorgenommen. In diesem Zusammenhang konnte die vermutete Vorburgsiedlung nachgewiesen werden.

Weitere Vorhaben wie naturräumliche Untersuchungen mit geowissenschaftlichen Fragestellungen, großflächige topografische Geländeaufnahmen und Klimamodellierungen für die betreffende Zeitepoche sind angedacht bzw. befinden sich bereits in konkreter Umsetzung.

 

Galerie


Kartierung der geomagnetischen Untersuchungen, Burgwallinnenareal, Februar 2008 (eastern atlas, Bearbeiter A. Mehner)

 


Miniaturomphalosschälchen in situ, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Zeichnerische Dokumentation einer Siedlungsgrube, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Profil einer Speichergrube, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Fläche III, Planum, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Zeichnerische Dokumentation eines Scherbenpflasters, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Grubenbefunde in situ, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Freilegung einer Omphalosschale, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Pfeilspitze aus Hirschgeweih in situ, Burgwall 2008 (Foto A. Mehner)

 


Profil des äußeren Burgwallgrabens (Prospektion durch Bohrkernuntersuchungen), März 2008 (Bearbeiter A. Mehner)

 


Kartierung der Einzelfundeinmessung im Bereich der Vorburgsiedlung, archäologischer Survey Herbst 2008 (Bearbeiter A. Mehner)

 


Grubenbefund in situ, Vorburgsiedlung 2009 (Foto I. Beilke-Voigt)

 

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