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Ausgrabung Lossow 13. Oktober 1927, v.l.n.r.: Alfred Götze, Johannes Hutloff, Wilhelm Unverzagt, Michael Martin Lienau, Georg Poensgen (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7382)
Ausgrabung Lossow 1927
Die Burgwallanlage von Lossow, im Volksmund auch als „Schwedenschanze“ bezeichnet, wurde Mitte des 19. Jh. beim Bau der Eisenbahnstrecke Berlin – Breslau mit archäologischen Funden bekannt, die aus der späten Bronze-, frühen Eisen- und der Slawenzeit stammen. Der Bahneinschnitt, der 1844 erfolgte, verlief dabei quer durch das östliche Burgwallgelände und führte zu großflächigen Zerstörungen des archäologischen Bodendenkmals, die seinerzeit jedoch nicht dokumentiert wurden.

Erste wissenschaftliche Ausgrabungen wurden erst auf Veranlassung von C. Schuchhardt im Auftrag des Berliner Völkerkundemuseums im Jahre 1909 durchgeführt. Die örtliche Grabungsleitung übernahm der damals in Frankfurt (Oder) tätige Gymnasialdirektor R. Agahd. Sein Interesse galt vor allem dem gewaltigen Aufbau der Wallanlage. So konnte er durch seine Untersuchungen erstmals das Prinzip der hölzernen Kastenkonstruktion innerhalb der spätbronze-/früheisenzeitlichen Wallaufschüttung nachweisen.

Weitere Ausgrabungen am Burgwall wurden erforderlich als 1919 ein Überholgleis der Eisenbahnstrecke gebaut und damit die Böschung zurückverlegt werden musste. Mit diesen Grabungen wurde der Fundort zu einem der herausragendsten Stätten der frühen Eisenzeit. Die große und besondere Beachtung der Burgwallanlage wurde durch die Befunde von insgesamt 15 (oder 17) brunnenähnlichen Schächten hervorgerufen, die mit großen Mengen an Mensch- und Tierknochen verfüllt waren. Es konnte festgestellt werden, dass die Schachtanlagen als röhrenförmige Vertiefungen nach einem einheitlichen Prinzip aufgebaut waren. Mit einem oberen Durchmesser von ca. 1,20 m verjüngten sie sich auf ca. 80 cm bei einer Tiefe zwischen 5 und 7 m. Die zerstückelten Menschenreste legen nahe, dass hier rituelle Opferungen stattfanden.

Im Jahre 1926 trat die Burgwallanlage von Lossow erneut in das Interesse der archäologischen Forschungen. Unter der Leitung des Berliner Museums für Völkerkunde namentlich mit dem Direktor der damaligen prähistorischen Abteilung W. Unverzagt sowie mit Instanzen der provinziellen und lokalen Denkmalpflege fanden bis 1929 planmäßige Ausgrabungen statt. Durch die Anlage von Sondagen und Flächengrabungen wurden 38 weitere Opferschächte lokalisiert und teilweise untersucht. Pfostenlöcher, Haus- und Herdgruben ergänzten die archäologischen Strukturen. Zudem wurden umfangreiche Untersuchungen im Bereich der kleinen slawischen Burgwallanlage durchgeführt, die sich in der Südostecke des Burgwallgeländes befand.

Wieder sollten einige Jahre vergehen, in denen die Burgwallanlage von Lossow kaum Erwähnung in den archäologischen Schriften fand. Erst notwendig gewordene Böschungsarbeiten im Jahre 1968, die ein zunehmendes Abrutschen des Steilhanges vom Eisenbahneinschnitt verhindern sollten, bedingten eine Notbergung im östlichen Burgwallbereich. Diese Grabungen wurden von H. Geisler vom damaligen Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam durchgeführt. Der notwendig gewordene Böschungsabtrag betrug im Durchschnitt 10 m, in der SO-Ecke sogar 20 m, so dass die slawische Burganlage seinerzeit fast vollständig zerstört wurde. Bei der Notbergung konnten fünf weitere Opferschächte lokalisiert werden, von denen zwei vollständig bzw. einer teilweise untersucht wurden.

Die zeitlich jüngsten Ausgrabungen fanden 1980-84 unter der Leitung von S. Griesa mit Studenten des damaligen Bereiches für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Diese Untersuchungen schlossen an Grabungsflächen von Unverzagt an, so dass der seinerzeit angeschnittene Opferschacht 47 nun vollständig freigelegt werden konnte. Bei diesen Untersuchungen wurden zudem zwei neue Schächte lokalisiert, so dass sich die bis heute vorliegende Anzahl auf 60 (bzw. 62) Anlagen beläuft.
 

Galerie


Erdarbeiten für die Erweiterung des Gleisbettes im Bereich des Lossower Burgwalls, Sommer 1919 (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7328)

 


Ausgrabung eines Opferschachtes, W. Unverzagt (2.v.l.), Herbst 1926 (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7322)

 


Ausgrabung Lossow Herbst 1927, v.l.n.r. sitzend: W. Unverzagt, Vorarbeiter Lehmann, Alfred Götze sowie 12 Grabungsarbeiter (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7359)

 


Ausgrabung Lossow 13. Oktober 1927, v.l.n.r.: Alfred Götze, Johannes Hutloff, Wilhelm Unverzagt, Michael Martin Lienau, Georg Poensgen (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7382)

 


Ausgrabung Burgwall Lossow, N-S-Schnitt durch das Burgwallinnenareal (Blick von N), Herbst 1927 (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7362)

 


A. Götze (lks.) und W. Unverzagt bei der Sichtung der archäologischen Funde im Magazin der Vorgeschichtlichen Abteilung (heute Martin-Gropius-Bau Berlin), Herbst 1927 (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 7393)

 


E. Eppendorf (Graphikerin der Vorgeschichtlichen Abteilung) bei der Beschriftung einer Tafel, auf der ein fünfteiliger bronzener Halskragen montiert ist, Herbst 1927 (Quelle: SMB-PK/MVF, IXb F 9395)

 

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